Redaktioneller Arbeitstisch am frühen Morgen mit gefalteter Zeitung, Notizbuch und Stift

Redaktionelle Standards

Woher wir wissen, was wir schreiben

Diese Seite erklärt offen, wie unsere Redaktion recherchiert, Quellen prüft, Formulierungen abwägt und Fehler korrigiert. Sie richtet sich an Leserinnen und Leser, die nachvollziehen wollen, wie eine Geschichte entsteht, bevor sie gedruckt oder veröffentlicht wird.

Herausgeberin
The Context Ledger, Königsallee 60, 40212 Düsseldorf
Ressorts
Politik, Investigatives, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft
Erreichbar
Montag bis Freitag, 09:00–18:00 Uhr
Diese Seite
Stand Oktober 2026, fortlaufend ergänzt

Was redaktionelle Standards bei uns bedeuten

Redaktionelle Standards sind bei uns keine Grundsatzerklärung für die Schublade. Sie beschreiben, was täglich passiert, wenn eine Recherche beginnt, wenn ein Text gekürzt wird und wenn sich nach der Veröffentlichung etwas als falsch erweist. Wer wissen will, warum eine Zahl in einem Artikel steht, findet hier den Weg, auf dem sie dorthin gekommen ist.

Wir arbeiten ressortspezifisch, aber nach denselben Grundregeln. Der Politikteil entscheidet anders über Quellen als der Wissenschaftsteil, und ein investigativer Beitrag hat andere Hürden als ein Essay. Gemeinsam ist allen: Jede Aussage, die wie ein Fakt aussieht, muss belegbar sein. Wo das nicht gelingt, schreiben wir es hin – im Text, nicht in einer Fußnote, die niemand liest.

Unabhängigkeit heißt für uns, dass wirtschaftliche Interessen, politische Nähe oder persönliche Verbindungen nicht darüber entscheiden, was gedruckt wird. Das ist ein Anspruch, den wir täglich neu einlösen müssen, und genau deshalb ist er hier ausformuliert und nicht nur behauptet.

Recherchewege

Wie eine Recherche bei uns beginnt

Jede größere Geschichte beginnt mit einer offenen Frage, nicht mit einer fertigen Meinung. Bevor jemand schreibt, sammelt das Ressort Material: Dokumente, Gespräche, Datenreihen, frühere Berichte. Erst wenn klar ist, was sich daraus belegen lässt, entsteht eine Gliederung.

Ein Rechercheweg kann Wochen dauern und trotzdem ohne Ergebnis enden. Solche Wege dokumentieren wir intern, damit dieselbe Spur nicht zwei Jahre später noch einmal blind verfolgt wird. Was am Ende nicht trägt, wird nicht gedruckt – auch dann nicht, wenn es spektakulär klingt.

  1. Thema und Zuständigkeit Das Ressort legt fest, wer verantwortlich ist und welche Fragen zuerst geklärt werden müssen. Zuständigkeit bedeutet hier auch: eine Person, die am Ende für den Text geradesteht.
  2. Material sammeln Dokumente werden im Original beschafft, nicht aus zweiter Hand übernommen. Bei Gesprächen notieren wir, wer wann was gesagt hat, auch wenn daraus am Ende nur ein Nebensatz wird.
  3. Prüfen und gegenprüfen Was nur eine Quelle stützt, wird als solches gekennzeichnet. Wichtige Aussagen gehen zurück an die Betroffenen, bevor sie erscheinen.
  4. Schreiben und kürzen Ein Text wird kürzer, wenn er dadurch klarer wird. Kürzen darf keine Belege entfernen; wenn eine Passage zu dünn ist, fällt sie ganz weg.
  5. Sperrfrist und Freigabe Bei Terminberichten halten wir vereinbarte Sperrfristen ein. Sie verschieben den Zeitpunkt der Veröffentlichung, nicht den Inhalt und nicht die Länge der Prüfung.

Quellenprüfung: woran wir eine Angabe messen

Nicht jede Quelle wiegt gleich viel, und nicht jede wichtige Information liegt schriftlich vor. Wir arbeiten deshalb mit einer Reihenfolge, die im Ressort bekannt ist und die wir bei Bedarf im Text offenlegen. Wer eine Zahl oder ein Zitat prüfen will, soll erkennen können, auf welcher Stufe sie stehen.

Bei Dokumenten achten wir auf Herkunft und Vollständigkeit. Eine einzelne Seite aus einem Aktenvorgang kann richtig sein und trotzdem ein falsches Bild ergeben. Deshalb lesen wir, wenn möglich, den ganzen Vorgang – nicht nur die Stelle, die zur Geschichte passt.

Hände blättern in einem Stapel gefalteter Zeitungen auf einem Holztisch
Originalschreiben und Gerichtsdokumente Wenn ein Vorgang schriftlich vorliegt und die Kopie vollständig ist. Die Aussage steht direkt im Text, mit Datum und Herkunft.
Gespräche mit benannten Personen Wenn jemand mit Namen und Funktion für eine Aussage steht. Name, Funktion und der Zeitpunkt des Gesprächs werden genannt.
Hintergrundgespräche Wenn eine Aussage wichtig ist, aber nur vertraulich gegeben wird. Wir schreiben, dass die Quelle nicht genannt werden kann, und nennen den Grund.
Amtliche Statistik und Datenreihen Wenn Zahlen regelmäßig erhoben und veröffentlicht werden. Wir nennen die erhebende Stelle, den Zeitraum und die Einheit.
Öffentlich einsehbare Berichte Wenn eine Aussage von jeder Leserin nachvollzogen werden kann. Ein Verweis steht im Fließtext, nicht nur in der Fußzeile.

Was hier fehlt, ist die Stufe, die es bei uns nicht gibt: anonyme Behauptungen ohne überprüfbaren Kern. Wenn eine Information nur so zu haben ist, verzichten wir auf sie, auch wenn sie den Text kürzer und langweiliger macht.

Unabhängigkeit ist eine Arbeitsregel, keine Selbsterklärung

The Context Ledger finanziert sich über Abonnements und den Verkauf einzelner Ausgaben. Anzeigen und gesponserte Inhalte sind als solche gekennzeichnet und werden nicht von der Redaktion verfasst. Wer eine Anzeige bucht, erwirbt damit keinen Einfluss auf Themenauswahl, Ton oder Platzierung eines redaktionellen Beitrags.

Redaktionsmitglieder dürfen nicht über Unternehmen schreiben, an denen sie unmittelbar beteiligt sind, und legen Interessenkonflikte vor der Übernahme eines Themas offen. Bei Berichten über politische Ämter oder Parteien gilt dieselbe Regel: Nähe wird nicht verschwiegen, sondern benannt, und im Zweifel übernimmt jemand anderes den Text.

Anzeigen und Redaktion

Anzeigenkunden erhalten vor der Veröffentlichung kein Manuskript zur Ansicht. Themenwünsche aus dem Anzeigenverkauf werden an die Redaktion weitergegeben, wenn sie inhaltlich relevant sind – übernommen werden sie nicht automatisch.

Abo und Leserservice

Fraktionsreihe

Wie sich unsere Ressorts in der Prüfung unterscheiden

Die Grundregeln gelten überall, die Prüfschritte unterscheiden sich nach Material. Ein Politikbericht fragt anders nach Belegen als eine Datenanalyse im Wirtschaftsteil, und ein Essay darf mit offener Wertung arbeiten – solange klar ist, dass es eine ist.

Politik und Investigatives

Aussagen von Behörden und Parteien werden gegen Dokumente gehalten, nicht gegen Erinnerung. Bei Vorwürfen fragen wir vor der Veröffentlichung nach einer Stellungnahme und drucken sie, auch wenn sie unbequem ist. Wichtige Beiträge lesen mindestens zwei Personen außerhalb des Ressorts gegen.

Wirtschaft und Finanzen

Zahlen aus Unternehmensberichten werden auf ihren Ursprung zurückgeführt: Wer hat erhoben, in welchem Zeitraum, nach welcher Rechenregel. Wo Kennzahlen zwischen Quellen abweichen, nennen wir die Abweichung, statt eine Zahl auszuwählen, die besser in die Geschichte passt.

Wissenschaft und Forschung

Wir unterscheiden zwischen dem Ergebnis einer einzelnen Studie und dem gesicherten Stand eines Fachgebiets. Vorläufige Befunde werden als vorläufig beschrieben, und die Grenzen einer Untersuchung stehen im Artikel, nicht nur im Anhang.

Kultur, Essays und Debatten

Wertungen sind hier erlaubt und gewollt – aber sie werden begründet. Ein Essay sagt, von welchem Standpunkt aus er argumentiert, und zitiert Werke, Aufführungen oder Positionen so genau, dass Leserinnen die Grundlage prüfen können.

Korrekturen und Transparenz

Fehler passieren in jeder Redaktion. Entscheidend ist, was danach geschieht. Wir korrigieren öffentlich, benennen die Stelle und das Datum, und ändern einen Text nicht still, wenn die Änderung inhaltlich ins Gewicht fällt.

Wer einen Fehler findet, kann ihn melden. Hinweise gehen an [email protected] oder telefonisch an +49 211 8991. Wir prüfen jeden Hinweis und antworten, sobald die Prüfung abgeschlossen ist.

Berichtigung

Eine Tatsache war falsch. Wir berichtigen sie im Text, mit Hinweis auf Datum und Umfang der Änderung.

Ergänzung

Der Text war nicht falsch, aber unvollständig – etwa weil eine Stellungnahme erst später eintraf. Ergänzungen werden als solche markiert.

Präzisierung

Eine Formulierung ließ mehrdeutige Schlüsse zu. Wir schärfen sie, ohne die Aussage nachträglich umzudrehen.

Rücknahme

Wenn ein Beitrag in der Sache nicht zu halten ist, nehmen wir ihn zurück. Der Beitrag bleibt auffindbar, damit die Korrektur nachvollziehbar bleibt.

Redaktionstisch am frühen Morgen mit geschlossenem Notizbuch, Stift und Zeitung

Mitlesen heißt bei uns nicht nur lesen

Ein Abonnement gibt Zugang zu allen Ressorts und zu den Beiträgen, die ausführlicher recherchiert sind als das, was im Netz frei verfügbar bleibt. Wer wissen will, wie wir arbeiten, kann das vor dem Abschluss prüfen: Diese Seite beschreibt den Weg einer Geschichte von der ersten Notiz bis zur möglichen Korrektur.

Wenn Sie nach dem Lesen Fragen zu einem konkreten Beitrag haben, schreiben Sie uns. Wir beantworten Rückfragen zu Quellen, Rechenwegen und Formulierungen so konkret wie möglich – und wo wir etwas nicht offenlegen können, sagen wir, warum.

Häufige Fragen zu unseren Standards

Die Fragen, die uns am häufigsten erreichen, betreffen Quellen, Korrekturen und die Grenze zwischen Bericht und Kommentar. Die Antworten stehen hier so, wie wir sie auch am Telefon geben würden.

Warum nennt ihr Quellen nicht immer mit Namen? Mehr

Manche Informationen lassen sich nur geben, wenn die Quelle geschützt bleibt – etwa bei laufenden Verfahren oder wenn jemand Nachteile im Beruf befürchten muss. In solchen Fällen prüfen wir die Angaben besonders gründlich und schreiben in den Text, dass die Quelle nicht genannt werden kann und aus welchem Grund.

Wie schnell korrigiert ihr einen Fehler? Mehr

Sobald ein Hinweis geprüft ist und sich bestätigt, berichtigen wir. Wie lange das dauert, hängt vom Thema ab: Ein Zahlendreher ist in kurzer Zeit geklärt, ein komplexer Sachverhalt braucht Rücksprache mit den Beteiligten. Wir warten nicht auf eine passende Gelegenheit, um eine Korrektur zu platzieren.

Was unterscheidet Bericht, Analyse und Kommentar? Mehr

Der Bericht ordnet Belege und lässt Bewertungen weitgehend weg. Die Analyse erklärt Zusammenhänge und ordnet ein, arbeitet aber mit nachvollziehbaren Schlüssen. Der Kommentar vertritt eine Position und ist als solche gekennzeichnet. Diese Einordnung steht jeweils am Beitrag, nicht versteckt im Impressum.

Kann ich einen Beitrag vor dem Druck gegenlesen? Mehr

Nur die Personen, über die berichtet wird, erhalten vor kritischen Passagen Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese Stellungnahme fließt in den Text ein oder wird zitiert. Ein generelles Vorab-Leserecht für Betroffene gibt es nicht, weil es die Berichterstattung von Zustimmung abhängig machen würde.

Was wir nicht machen – und warum das dazugehört

Ein Standard ist nur so glaubwürdig wie das, was er ausschließt. Drei Dinge, die in unserer Redaktion nicht vorkommen: Wir drucken keine vertraulichen Gesprächsinhalte ohne Einwilligung, auch wenn sie für eine Geschichte nützlich wären. Wir legen keine Recherchen auf Vorrat an, um sie später gegen jemanden zu verwenden. Und wir veröffentlichen keine Zitate aus Gesprächen, die wir nicht selbst geführt oder deren Protokolle wir nicht geprüft haben.

Bei Fehlern verlinken wir nicht auf diese Seite, um ein Problem zu verdecken, sondern nennen die konkrete Stelle im konkreten Beitrag. Das ist aufwendiger als ein allgemeiner Hinweis und macht Korrekturen überprüfbar.

Ein Artikel, der sich nicht korrigieren lässt, ist eine Behauptung. Wir schreiben lieber Artikel.
Aus den Redaktionsleitlinien, Stand Oktober 2026

Fragen zu einem Beitrag? Schreiben Sie der Redaktion

Wenn Sie eine Aussage nicht nachvollziehen können, fehlt uns womöglich eine Information. Wir nehmen Hinweise zu Quellen, Formulierungen und Rechenwegen entgegen und prüfen sie. Für Rückfragen zum Abonnement, zu Lieferungen oder zu Ihrem Konto ist der Leserservice die schnellere Adresse.

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